Bewahrung des industriellen Nordens: Die Konservierung von L. S. Lowrys Industrial Scene (1965)

Von Sarah Potter, Restauratorin und Leiterin der Sammlungsbetreuung an der Whitworth Art Gallery, University of Manchester

Dieses Restaurierungsprojekt widmete sich Lowrys Werk Industrial Scene (1965), einem bedeutenden Gemälde von L. S. Lowry (1887–1976), dem herausragenden künstlerischen Chronisten des industriell geprägten Nordens Englands. Das 1965 entstandene Werk Industrial Scene, das sich in der Sammlung der Whitworth Art Gallery der University of Manchesterbefindet, fängt die Quintessenz seines Schaffens ein: ein belebter Fabrikhof mit den für ihn charakteristischen stilisierten Strichmännchen-Figuren vor einem dunstigen, rauchverhangenen Horizont. Trotz seiner verhältnismäßig späten Entstehung erforderte das Gemälde kürzlich eine umfassende restauratorische Behandlung, um inhärente Materialinstabilitäten zu beheben und ein unzureichendes historisches Einrahmungssystem zu ersetzen. Im Rahmen des Projekts wurde ein anspruchsvolles Konzept umgesetzt, um fragile Farbschichten zu festigen, strukturelle Schäden am Rahmen zu reparieren und eine erstklassige Verglasungslösung zu integrieren. Dieser Beitrag beleuchtet die technischen Herausforderungen des Projekts – insbesondere den sensiblen Spagat zwischen der Sicherung von Lowrys charakteristischem Impasto und der Modernisierung der schützenden Einrahmung zur dauerhaften Bewahrung des Werkes.

LS Lowrys Industrieszene (1965) im Originalrahmen vor der Konservierungsmaßnahme und der Erneuerung der Verglasung.
Vor der Konservierung
Bildnachweis: Michael Bowes, Lancashire Conservation Studios.

Strukturelle Herausforderungen und Ausrahmung

Der Konservierungsprozess begann mit der anspruchsvollen Aufgabe der Ausrahmung. Das Kunstwerk war in einer beengenden Holzleistenkonstruktion an der Rahmeninnenkante montiert, die die obere Kante der Leinwand überlagerte und eine stabile Hängung erschwerte. Diese gesamte Vorrichtung musste mithilfe von Metallzangen und Schutzplatten vorsichtig entfernt werden, um Beschädigungen am hölzernen Keilrahmen zu vermeiden. Nachdem das Gemälde freigelegt war, ersetzte das Team einen fehlenden Spannkeil in der unteren rechten Ecke durch ein Standardbauteil ähnlicher Abmessungen. Um planare Verzüge und Unebenheiten zu beseitigen, wurde die Leinwand durch ein durchlässiges Gewebe behutsam befeuchtet und auf einer ebenen Fläche planiert, bevor sie nachgespannt wurde, um die Oberflächenspannung gleichmäßig zu verteilen.

Konsolidierung des Himmels: Umgang mit materialbedingten Instabilitäten

Ein zentrales Problem stellte die Fragilität der Farbschicht im oberen Himmelsbereich dar. Lowrys Maltechnik – insbesondere das Übermalen einer vermutlich bereits angetrockneten Farbschicht – führte im Laufe der Zeit zu charakteristischen dachförmigen Aufwölbungen („Tenting“) sowie zu vereinzelten Farbverlusten. Zur Sicherung dieser Bereiche setzte das private Restaurierungsatelier eine Kombination aus Gelatine und Lascaux Acryldispersion ein. Diese Klebemittel wurden mit einem feinen Pinsel vorsichtig unter die instabilen Farbschollen appliziert, woraufhin die Farbschicht unter kontrollierter Zufuhr von leichter Wärme und sanftem Druck mittels eines Heizspatels plastifiziert und wieder plan niedergelegt wurde.

Da das Gemälde ungefirnisst ist, war die Wahl des Retuschiermediums entscheidend, um einen unnatürlichen Glanz zu vermeiden. Kleinere Fehlstellen wurden mit Flügger-Acrylspachtel gekittet und der umgebenden Oberflächenstruktur angepasst. Anschließend erfolgte die farbliche Einbindung mittels Aquarellfarben und Paraloid B72-Harz, um eine nahtlose, matte Reintegration zu erzielen.

Detailaufnahme im Streiflicht, die Farbabplatzungen und Farbverluste im oberen Himmelsbereich von LS Lowrys Industrielandschaft vor der Konservierungsbehandlung zeigt.
Detailaufnahme mit dachförmigen Aufwölbungen („Tenting“) und Farbverlusten im oberen Himmelsbereich vor der Konsolidierung.
Bildnachweis: Michael Bowes, Lancashire Conservation Studios.

Rahmenrestaurierung und moderne Verglasung

Der Originalrahmen wies Abriebstellen, Bestoßungen an den Ecken sowie stabile Fehlstellen an den Profilkanten auf. Diese wurden gefestigt und mit einer beständigen Zweikomponenten-Epoxidknetmasse (Apoxie Sculpt) gekittet, bevor sie formgetreu nachmodelliert und farblich mit Acrylfarben angeglichen wurden. Um die bisherigen montagebedingten Probleme zu lösen, wurde aus feinjährigem Kiefernholz eine neue Passleistenkonstruktion auf Gehrung gefertigt und mit einer rotbraunen Grundierung sowie einem Goldfinish gefasst, um sich harmonisch an die ursprüngliche Vergoldungsoptik anzupassen.

Die Maßnahme schloss mit wesentlichen Optimierungen des internen Schutzes ab:

  • Verglasung: Tru Vue® OptiumMuseum Acrylic® wurde eingesetzt, um herausragende Klarheit und erstklassigen UV-Schutz zu gewährleisten.
  • Falzlinie:Der Rahmenfalz wurde mit Volara-Plastazote-Band und braunem Nassklebeband ausgekleidet, um die Kanten der Leinwand schonend abzufedern.
  • Backing:Die ungeeignete originale Hartfaserplatte wurde durch eine XNUMX-mm-Correx-Rückwand ersetzt, auf die die historischen Originalaufkleber übertragen wurden.

Durch diese akribischen Maßnahmen bleibt die charakteristische industrielle Atmosphäre von Lowrys Manchester unverfälscht bewahrt – geschützt durch modernste konservatorische Standards, die die ursprüngliche Vision des Künstlers respektieren.

LS Lowrys Industrieszene (1965) nach konservatorischen Maßnahmen, Rahmenrestaurierung und Verbesserung der Schutzverglasung.
Gesamtansicht von <em>Industrial Scene</em>
L. S. Lowry, <em>Industrial Scene</em>, 1965, Öl auf grundierter Leinwand. Verglast mit Optium Museum Acrylic®.
Rahmenmaße: 22.05 x 33.98 mm. Bildnachweis: Michael Bowes, Lancashire Conservation Studios.

Die Verglasung mit Tru Vue® Optium Museum Acrylic® hat die visuelle Zugänglichkeit von Industrial Scenegrundlegend verändert. Durch den Austausch der beengenden historischen Einrahmung gegen dieses Hochleistungs-Bilderglas profitiert das Werk nun von einer nahezu vollständigen Entspiegelung und gesteigerter Brillanz. So lassen sich die feinen Nuancen von Lowrys reduzierter Farbpalette sowie seine präzisen Konturen vollkommen unverfälscht betrachten. Darüber hinaus bieten die antistatischen Eigenschaften und der 99 % UV-Schutz der Verglasung eine essenzielle Barriere gegen schädliche Umwelteinflüsse. Dies stellt sicher, dass der atmosphärische, dunstige Himmel – der zuvor durch Materialinstabilitäten beeinträchtigt war – sowohl visuell revitalisiert als auch strukturell für die dauerhafte Galeriepräsentation geschützt ist.

Mit besonderem Dank an Lancashire Conservation Studios für ihre fachkundigen Restaurierungsleistungen.

Über den Autor

Restauratorin dokumentiert Verglasungs- und Konservierungsarbeiten während der Restaurierung von LS Lowrys Industrielandschaft (1965).

Sara Potter

Restauratorin und Leiterin der Sammlungsbetreuung an der Whitworth Art Gallery, University of Manchester

Sarah Potter ist staatlich anerkannte Restauratorin und Leiterin der Sammlungsbetreuung an der Whitworth Art Gallery der University of Manchester. Mit über einem Jahrzehnt Berufserfahrung leitet sie die strategische Konservierung von Sammlungen nationalen Rangs, mit besonderer Spezialisierung auf die anspruchsvolle Skulpturenbetreuung sowie das umweltbezogene Risikomanagement. Sarah Potter verfügt über einen MSc in Conservation Practice (mit Auszeichnung) der Cardiff University sowie einen erstklassigen BA in Archäologie der University of Manchester. Zudem ist sie Gastdozentin im Masterstudiengang „Art Gallery & Museum Studies“ und Kommunikationsbeauftragte der ICON Sustainability Group.

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