Von Lauren Moon-Schott, Restauratorin für seltene Bücher an der Universität Durham
Shakespeare Recovered...beleuchtet die Arbeit unseres Restaurierungsteams, um die First Folio wieder zugänglich zu machen. Die Universität Durham hat vor kurzem die Konservierung ihrer Shakespeare-Erstausgabe (First Folio) abgeschlossen, die 1998 gestohlen und erst ein Jahrzehnt später in einem durch Vandalismus schwer beschädigten Zustand wiedergefunden wurde. Maßgeblich dank der Tru Vue Conservation & Exhibition Grant Scheme, ist das Werk nun an seinen angestammten Platz innerhalb der Gemeinschaft zurückgekehrt – als ein Objekt der Faszination, der Bewunderung, der Freude und der Forschung.
Vandalismus und das Ausmaß der Schäden
Die mutwillige Beschädigung, die das Werk irgendwann vor 2008 erlitt, veränderte seinen einst nahezu tadellosen Zustand dauerhaft und tiefgreifend. Dabei wurden die Buchdeckel, der Ledereinband sowie mehrere ikonische Blätter entfernt, darunter die berühmte Seite mit dem Droeshout-Porträt und das Gedicht von Ben Jonson. Diese Elemente gelten als verloren; mit ihrer Wiederauffindung wird nicht mehr gerechnet. Zusätzlich wurden mehrere Seiten am Anfang und Ende des Textes am Falz vollständig vom Buchblock getrennt. Nach Einschätzung der Restauratoren handelt es sich hierbei um eine unbeabsichtigte Begleiterscheinung des gewaltsamen Herauslösens aus dem Einband. Diese Seiten waren vor der Wiederauffindung an ihren rechtmäßigen Stellen am Anfang und Ende des Buches lose zusammengefügt und aufbewahrt worden.
Konservierungsphilosophie und Beratung
Nach einer umfassenden Abstimmung mit allen Beteiligten gelangten die Restauratoren zu der Erkenntnis, dass ein tiefgreifender Eingriff in die physische Struktur des Buches – etwa durch eine vollständige Neubindung – die Gefahr barg, die besondere Anziehungskraft des Werkes auf die Öffentlichkeit sowie das Interesse der Forschung zu schmälern. Die Spuren des Vandalismus verliehen dem Buch eine emotionale Tiefe, die weit über seine ursprüngliche Bedeutung als Shakespeare-Ausgabe hinausreichte. Seine fesselnde Geschichte und sein äußeres Erscheinungsbild luden die Besucher dazu ein, sich mit Themen wie Shakespeare, seltenen Büchern, objektspezifischer Katalogisierung und Restaurierungsethik auseinanderzusetzen. Trotz des Unbehagens, das Werk in seinen Einzelteilen zu sehen, erkannte die Universität Durham – als eine Institution, die Spitzenleistungen in der Heritage Science anstrebt – die einzigartige Gelegenheit für investigative Forschungsansätze, die das Objekt gerade in seinem zerlegten Zustand bot.
Behutsamer Konservierungsansatz
Die Restaurierung verfolgte daher einen behutsamen Ansatz, um den Buchblock an jenen Stellen zu stabilisieren, an denen selbst bei vorsichtigster Handhabung weitere Schäden drohten. Die Schultern der ersten und letzten Lagen wurden mit Verstärkungen aus Japanpapier versehen, um den Buchblock als zusammenhängende Einheit zu bewahren, ohne dabei die deutlichen Spuren des Vandalismus zu tilgen. Die losen Blätter wurden einzeln stabilisiert; dabei wurden Reparaturen an allen Kanten vorgenommen, die zahlreiche kleine Einrisse und Falten aufwiesen. Zudem wurden am Buchblock umfangreiche investigative Analysen durchgeführt: Hierbei konnten ursprüngliche Heftlöcher aus dem XNUMX. Jahrhundert identifiziert werden, die bei einer Neubindung im XNUMX. Jahrhundert verdeckt worden waren. Spektroskopische Untersuchungen und Elementaranalysen verschiedener Materialkomponenten, die durch die Beschädigungen erst zugänglich wurden, ergänzten die Forschungsarbeit.
Ausstellungsgestaltung und modulares Sockelsystem
Um das komplexe und – man muss es zugeben – überraschende Ergebnis des Konservierungsprojekts zu vermitteln, arbeiteten die Restauratoren eng mit dem kuratorischen Team und dem Bibliothekspersonal zusammen, um die Ausstellung „Shakespeare Recovered“und das Werk so wieder in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. Tru Vue Optium Museum Acrylic® Optium Museum Acrylic® spielt eine zentrale Rolle in der Ausstellung: Es bildet neun doppelseitige, fensterartig montierte Sockeldisplays, auf denen jedes der losen Blätter so präsentiert wird, dass Besucher sie von beiden Seiten betrachten können. Dadurch wird in dieser einen Ausstellung mehr von der Durham Folio gezeigt als in jeder anderen First-Folio-Ausstellung weltweit. Die beeindruckende Klarheit des Acrylglases vermittelt den Besuchern das unvergleichliche Gefühl, die Textur des Papiers, die Schäden und die Restaurierungen sowie das Schriftbild und das Layout unmittelbar und ohne störende Einflüsse wahrzunehmen – eine zutiefst persönliche und intime Begegnung mit dieser geschändeten Ikone.
Die neun Sockel sind in modularen Einheiten aus jeweils drei „Catwalk“-Sektionen gruppiert, die satellitenartig um den konservierten Buchblock angeordnet wurden. Jeder Satellit ist einer thematischen Vermittlung gewidmet, die die Kernbotschaft der Ausstellung unterstützt. Dies ermöglicht es den Besuchern, das Werk in verschiedenen Facetten wahrzunehmen – mal als lesbares Buch, mal als konserviertes, durch Vandalismus gezeichnetes Artefakt. Die modularen Einheiten, die mit Tru Vue® Acrylglas ausgestattet sind, verbleiben im Besitz der Bibliothek, um künftige Präsentationen der Durham Folio sowie ähnlicher beidseitig bedruckter Blätter zu ermöglichen.
Bedeutung und Tragweite des Projekts
Das Projekt zur Konservierung und Ausstellung „Shakespeare Recovered“ stellt einen bedeutenden Meilenstein dar: Es ist die erste große Bibliotheksausstellung in Durham, bei der die restauratorische Arbeit federführend war. Das Projekt rückt die Konservierung in das direkte Bewusstsein der Besucher und stieß auf eine überwältigend positive Resonanz. Es beweist eindrucksvoll, dass die Öffentlichkeit von den Geschichten aus der Welt der Restaurierung fasziniert ist, und ebnet so den Weg für künftige Ausstellungen, die konservatorische Erfolge thematisieren. Ohne das Tru Vue Förderprogramm für Konservierung und Ausstellungen sowie die beeindruckende Gestaltung, die durch den Einsatz von Optium Museum Acrylic® ermöglicht wurde, hätte das Projekt „Shakespeare Recovered“ nicht realisiert werden und diesen herausragenden Erfolg erzielen können.
Über die Autorin
Lauren Moon‑Schott
Restauratorin für seltene Bücher an der Universität Durham
Lauren Moon-Schott ist spezialisierte Restauratorin für seltene Bücher. Sie verfügt über ein Zertifikat in Buchbinderei der North Bennet Street School sowie einen Master-Abschluss in der Konservierung von Büchern und Bibliotheksgut des West Dean College. Derzeit ist sie als Buchrestauratorin für die Bishop Cosin’s Collection an der Durham University tätig; zuvor war sie in der Abteilung für Sondersammlungen der Boston Public Library beschäftigt. Ihre weitreichende Erfahrung in der Konservierung öffentlich zugänglicher Bestände bildet das Fundament für ihren Fokus auf nutzerorientierte Erhaltungskonzepte – ein Thema, das sie bereits in drei von ihr (mit-)verfassten Fachbeiträgen vertieft hat. Routledges „Conservation of Books“.
