Von Victoria Hanley, Papierrestauratorin, National Museums Scotland
Einführung
„The Tomb: Ancient Egyptian Burial“ ist eine Sonderausstellung im National Museum of Scotland (NMS) in Edinburgh, die noch bis zum 3. September 2017 zu sehen ist. Sie erzählt die Geschichte eines Grabes, das um 1290 v. Chr. errichtet und über 1000 Jahre lang genutzt wurde. Gezeigt werden beeindruckende Artefakte, Textilien und Papyri, die größtenteils im Grab oder in dessen unmittelbarer Nähe gefunden wurden. Die Ausstellung ist der Vorbote einer neuen permanenten altägyptischen Galerie im NMS, die Anfang 2019 eröffnet werden soll. Dieser Artikel konzentriert sich auf die Arbeiten an den Papyri – von der Konservierung dieser kostbaren antiken Objekte bis hin zu maßgeschneiderten Entscheidungen bei Rahmung und Verglasung, einschließlich des erstmaligen Einsatzes von Acrylglas für die Rahmung altägyptischer Papyri.
Drei bedeutende Papyri werden in „The Tomb“ ausgestellt. Sie gelangten Mitte des 19. Jahrhunderts in die Sammlung des NMS und waren dementsprechend kaum konserviert und mangelhaft gerahmt. Zwei der Papyri gehörten den letzten Bewohnern des Grabes, die in der Ausstellung vorgestellt werden: einem hohen Beamten aus der Römerzeit namens Montsuef und seiner Frau Tanuat. Ihre einzigartigen zweisprachigen Grabpapyri, die durch Inschriften präzise auf 9 v. Chr. datiert werden konnten, zählen zu den Highlights der Ausstellung, ebenso wie ein dritter Papyrus: ein Totenbuch des Wesirs Useramun, bestehend aus elf Fragmenten, das auf die 18. Dynastie (vor ca. 3,500 Jahren) zurückgeht.
Konservierung der Grabpapyri
Zum Zeitpunkt des Erwerbs waren die Objekte entrollt und mit einem nicht identifizierten Klebstoff auf minderwertigen braunen Karton aufgeklebt (siehe Abb. 1 & 2).
Abb. 1
Abb. 2
Erste Untersuchungen der Papyri im Jahr 2016 ergaben, dass der Trägerkarton zwar in schlechtem Zustand war, ein Entfernungsversuch jedoch zu riskant gewesen wäre. Daher konzentrierte sich die konservatorische Arbeit auf die Stabilisierung der Malschicht und des Bildträgers, die wissenschaftliche Analyse der Pigmente und eine hochwertige Rahmung. Eine große Herausforderung für die Papierrestauratoren war zweifellos die Größe: Der größte Papyrus hat eine Länge von 9 mm.
Abb. 3
Reduzierung der Rückwand und Konsolidierung
Die gewellten Rückwände aus braunem Karton wurden mit einem scharfen Skalpell entlang der Konturen des Objekts reduziert, wobei ein kleiner Rand um den Papyrus herum verblieb. An den größeren Papyri gab es punktuelle Risse und Schwachstellen, die mit Japanpapier und Weizenstärkekleister gesichert wurden.
Die Konsolidierung loser, abblätternder oder pudernder Bereiche des Papyrusträgers und der Pigmente erfolgte unter Vergrößerung mit einer 4%igen Methylcellulose-Lösung, die mit einem feinen Pinsel aufgetragen wurde (siehe Abb. 4).
Abb. 4
Neupositionierung der Fragmente
Bei Tanuats Papyrus waren einige Fragmente fälschlicherweise auf dem braunen Karton platziert worden. In Absprache mit dem Kurator entfernten die Papierrestauratoren die Fragmente und setzten sie an ihren korrekten Platz. Dadurch ist der Papyrus zum ersten Mal seit seinem Erwerb wieder schlüssig lesbar. Die Behandlung erwies sich aufgrund der Fragilität des Materials und der Komplexität der Neuausrichtung als große Herausforderung (siehe Abb. 5).
Abb. 5
Pigmentanalyse
Auf Tanuats Papyrus findet sich ein leuchtend rosa Pigment. Während dies bei Grabbeigaben aus der Römerzeit häufig vorkommt, gilt die Verwendung auf einem Grabpapyrus als recht selten. Eine detaillierte wissenschaftliche Analyse des Pigments wurde zunächst unter ultraviolettem Licht durchgeführt, wobei eine orangefarbene Fluoreszenz sichtbar wurde (siehe Abb. 6) – charakteristisch für die Verwendung von Krapplack (Farbstoff der Färberröte).
Abb. 6
Analysen mittels Stereomikroskopie und Elektronenmikroskopie halfen dabei, beeindruckende Bilder einzufangen, die die Zusammensetzung des rosa Pigments verdeutlichten: Es basiert auf einem weißen Alunit oder einem verwandten Pigment, das mit dem rosa Farbstoff gemischt wurde (siehe Abb. 7). Weitere Untersuchungen mittels Flüssigkeitschromatographie halfen festzustellen, dass es sich bei dem rosa Farbstoff wahrscheinlich um Rubia peregrina L., handelt, auch Wilder Krapp genannt – ein Farbstoff, von dem bekannt ist, dass er zu dieser Zeit in Ägypten verfügbar war und verwendet wurde. Weitere Analysen nach der Ausstellung sollen diese spannenden Erkenntnisse untermauern und bestätigen, dass es sich bei dem leuchtend rosa Pigment tatsächlich um Krapp handelt.
Abb. 7
Konservatorische Montage
Japanpapier-Scharniere wurden in regelmäßigen Abständen auf der Rückseite des braunen Kartons der Papyri angebracht und an der Unterseite eines Museumskartons in Konservierungsqualität fixiert. Dies schuf ein reversibles Montagesystem für eventuelle zukünftige Neupositionierungen (Abb. 8).
Abb. 8
Neue kuratorische Forschungen führten zu der Erkenntnis, dass die Reihenfolge der Fragmente des Totenbuch-Papyrus nicht korrekt war. Kurator und Papierrestauratoren arbeiteten zusammen, um die Reihenfolge zu ändern und sie auf drei Rahmen aufzuteilen, um eine lesbare und ästhetisch ansprechende Präsentationsform zu finden (siehe Abb. 9).
Abb. 9
Rahmung & Verglasung
Um diese empfindlichen Objekte optimal zu schützen und eine sichere und ansprechende Ausstellung zu ermöglichen, wurde eine spezielle Rahmungsmethode entwickelt. John Jones Framers London bot einen individuellen Rahmungsservice an, bei dem jeder Rahmen an die Bedürfnisse des jeweiligen Objekts angepasst wurde. Priorität hatte die Entwicklung eines Rahmens mit Frontladefunktion, um zu vermeiden, dass die Objekte mit der Vorderseite nach unten platziert werden und die empfindliche beschriftete Oberfläche beschädigt wird. Anstatt die Papyri zwischen Glasscheiben einzuschließen, wie es einige Museen bevorzugen, wurden Abstandshalter eingesetzt, um die Papyri von der Verglasung zu trennen. Sowohl Verbundglas als auch Acrylglas wurden in Betracht gezogen, die Wahl fiel jedoch auf Tru Vue 6 mm. Optium Museum Acrylic Glas wurde aufgrund seines UV-Schutzes, seiner nicht reflektierenden, kratzfesten und antistatischen Eigenschaften bevorzugt. Eine 6 mm dicke Platte war zudem groß genug, um die langen Papyri aufzunehmen, dick genug, um sich nicht zu verbiegen, und ihr geringeres Gewicht machte sie zu einer attraktiven Option.
Zwischen John Jones und dem NMS bestand ein regelmäßiger Austausch. Nach der Fertigstellung wurden die Rahmen als fertige Pakete nach Edinburgh versandt. Die Rahmen bestanden aus einem Unterrahmen aus Tulpenholz mit einer undurchlässigen, starren Trägerplatte, die als Barriereschicht diente. Vor dem Einsetzen der Objekte wurden an der Rückseite des Unterrahmens Befestigungen angebracht. Die montierten Papyri wurden dann mit der Bildseite nach oben direkt auf die Trägerplatte gelegt. Darüber wurde eine schlichte Eichenleiste mit Optium Museum Acrylglas und Abstandshaltern angebracht. Die Leiste wurde an den Seiten des Unterrahmens verschraubt, sodass das Objekt nicht gedreht werden musste (Abb. 10).
Abb. 10
Fazit
Dieses Projekt bot spannende konservatorische Herausforderungen und Möglichkeiten für eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit internen und externen Partnern. Die Papyri sehen in ihren neuen Rahmen beeindruckend aus und sind für zukünftige Ausstellungen und die Lagerung über Jahre hinweg sicher geschützt (Abb. 11).
Abb. 11
Danksagungen
- Die National Museums Scotland sind Tru Vue Inc. äußerst dankbar für die großzügige Spende der Optium Museum Acrylic® Verglasung für diese Ausstellung.
- in Dank geht an, David Palmer von Wessex Pictures, der einen kostenlosen Zuschnitt- und Lieferservice für die Optium Museum Acrylic® Verglasung anbot.
- Vielen Dank an Frankie Wray und Matt Gray von John Jones, London.
Über die Autorin
Victoria Hanley
Papierrestauratorin, National Museums Scotland
Victoria Hanley ist seit über 10 Jahren als Papierrestauratorin bei den National Museums Scotland tätig. Sie hält einen MA in Conservation of Fine Art (Works of Art on Paper) der University of Northumbria in Newcastle. Ihre Interessen umfassen alle Aspekte der Museums- und Kunstwelt. Ihre Arbeit beinhaltet komplexe papierrestauratorische Behandlungen an einer Vielzahl von Objekten sowie das Management verschiedener Arbeitsprogramme zur Realisierung von Ausstellungen und Galerien im gesamten Museum. Dabei entwickelt sie die interne und externe Kommunikation ständig weiter, um die Konservierung und die Organisation zu fördern und zu verbessern.
