Von Hugh Phibbs – Fachberater für Konservierung
Verglasungsmaterialien wie Glas und Acrylglas sind klar, flach und dünn. Abgesehen von diesen Gemeinsamkeiten unterscheiden sie sich in fast jeder Hinsicht, und beide bieten spezifische Vor- und Nachteile für den Schutz von Kunstwerken. Die Wahl der besten Option hängt von vielen Faktoren ab:
- Ist das Werk empfindlich oder abreibbar (z. B. Pastell)?
- Wo wird es ausgestellt?
- Wie groß ist es?
- Wird es transportiert?
- Ist es ersetzbar?
Glass
Vorteile:
Kalk-Natron-Flachglas ist recht hart, spröde und durchlässig für solare thermische Energie. Glas besteht aus amorphem Siliziumdioxid – die gleiche Grundzusammensetzung wie Quarz, enthält jedoch zusätzlich Natrium-, Calcium- (Kalk) und Kaliumatome. Obwohl es amorph ist, fungiert Glas als Dampfsperre, ähnlich wie ein reiner Kristall. Glas absorbiert kein Wasser und verzieht oder wölbt sich nicht, wenn eine Seite feuchter ist als die andere. Die Oberfläche von Glas ist „hochenergetisch“. Das bedeutet, dass sie andere Materialien anzieht; Klebstoffe wie tierischer Leim gehen eine feste Verbindung ein, während derselbe Kleber auf der „niederenergetischen“ Oberfläche von Acrylglas nicht haftet.
Nachteile:
Obwohl Glas sich nicht verzieht, wird Wasser durch polare Bindungen an die Oberfläche (innen und außen) angezogen. Wenn Wasserdampf auf der Glasoberfläche kondensiert, kann dieses Wasser mit Natrium- oder Kaliumatomen reagieren und Ionen bilden. Diese Wechselwirkung kann dazu führen, dass Ionen auf die Glasoberfläche ausgelaugt werden. Wenn ionisches Natrium an die Oberfläche gelangt, verbindet es sich oft mit Chloridionen zu Natriumchlorid, was häufig als „Salznebel“ bezeichnet wird – besonders in Küstennähe. Diese Natrium- und Kaliumverbindungen sind für Papier oder Zeichnungen nicht sonderlich gefährlich, können aber Metalle oder metallhaltige Objekte wie Silberhalogenid-Fotos stark schädigen.
Da Glas für Sonnenenergie relativ durchlässig ist, erwärmt es sich am Morgen bei direkter Sonneneinstrahlung nicht selbst. Stattdessen erwärmt sich das Papier hinter dem Glas, besonders wenn es dunkel ist. Der thermische (Infrarot-)Anteil des Sonnenlichts führt zur Dehydrierung des Papiers. Die austretende Feuchtigkeit kann auf die kühle Glasoberfläche treffen und kondensieren. Bei fachgerechter Handhabung sollte dies jedoch nie vorkommen, da gerahmte Kunstwerke niemals direktem Sonnenlicht ausgesetzt sein dürfen. Dennoch sollte das Wissen um dieses Risiko unsere Wahl der Verglasung beeinflussen.
Das größte Problem von Glas ist seine Zerbrechlichkeit. Um diesem Risiko zu begegnen, sollte mit zunehmender Größe des Rahmens dickeres Material verwendet werden. Leider steigt mit der Dicke auch das Gewicht drastisch an, was zu statischen Problemen führen kann. Wenn Glas bricht, sind die Kanten extrem scharf und stellen eine unmittelbare Gefahr für das Kunstwerk dar. Aus diesem Grund verwenden Museen und öffentliche Sammlungen selten einfaches, nicht-laminiertes Glas. Verbundglas nutzt die Formstabilität von Glas und bietet bei hermetisch versiegelten Einheiten eine hervorragende Dampfsperre.
Acrylglas
Vorteile:
Acrylglas ist weich, schlagfest und wirkt thermisch isolierend. Die Oberfläche ist so weich, dass sie äußerst vorsichtig gehandhabt werden muss, um Kratzer zu vermeiden – es sei denn, es wird eine kratzfeste Beschichtung verwendet, die die Handhabung erheblich verbessert. Sollte das Trägermaterial direkt mit dem gerahmten Objekt in Kontakt kommen, gibt die weiche Oberfläche eher nach als Glas. Es besitzt eine enorme Schlagfestigkeit; in Bereichen mit extrem hohem Publikumsverkehr bietet Polycarbonat jedoch den höchsten Schutz. Da es bei relativ niedrigen Temperaturen geformt wird, können UV-absorbierende Verbindungen direkt in das Material integriert werden und befinden sich nicht nur auf der Oberfläche.
Nachteile:
Acrylglas und Polycarbonat sind die am häufigsten verwendeten Kunststoff-Verglasungen. Beide fühlen sich hart an, sind aber tatsächlich weich und können schon durch einen weichen Pinsel zerkratzt werden. Wenn die relative Luftfeuchtigkeit auf einer Seite der Platte höher ist als auf der anderen, wölbt sich das Acrylglas zur feuchteren Seite hin. Zudem ist es keine gute Barriere für Wasserdampf. Daher kann es für langfristig versiegelte Einheiten (Sealed Packages) nicht uneingeschränkt empfohlen werden. Diese Kunststoffplatten sind nicht sehr steif; bei größeren Formaten muss zwingend dickeres Material gewählt werden.
Überlegungen zu versiegelten Einrahmungen (Sealed Packages)
Bei der Entscheidung für eine versiegelte Einrahmung spielen die Nutzungsdauer und die Empfindlichkeit des Objekts eine Rolle. Institutionen benötigen versiegelte Einheiten meist für Leihgaben (ca. drei bis neun Monate). Für die Mehrheit der Leihobjekte – Drucke, Zeichnungen und die meisten Fotos – bietet eine einfache Einheit aus Acrylglas, Passepartout, einer Kunststoff-Stegplatte als Rückwand und einer randseitigen Versiegelung mit speziellem Klebeband ausreichend klimatischen Schutz.
Die meisten Leihgaben sind in der moderaten Versiegelung, die Acrylglas bietet, sicher. Nur extrem feuchtigkeitsempfindliche Objekte wie Pergament auf Proteinbasis oder Albuminfotos erfordern die maximale Barrierewirkung von Glas. In Privaträumen entsprechen die Bedingungen oft nicht dem Museumsstandard: Heizperioden im Winter führen zu extremer Trockenheit, während Klimaanlagen im Sommer zwar Feuchtigkeit entziehen, Baumaterialien aber dennoch Feuchtigkeit in die Wände lassen können. Da Objekte im privaten Bereich oft jahrelang im selben Rahmen bleiben, ist Glas hier aufgrund der Langzeitstabilität und der Dampfsperre oft die logische Wahl.
Zusammenfassung:
Glas: Ideal für versiegelte Einheiten, extrem feuchtigkeitsempfindliche Objekte und langfristige Präsentationen aufgrund seiner Steifigkeit und Dampfsperre. Bei unersetzlichen Werken sollte immer Verbundglas verwendet werden. Die geringe statische Aufladung ist vorteilhaft für kreidige Medien (Pastelle), wobei antistatische Beschichtungen hier noch effektiver sind.
Acrylglas: Unverzichtbar für hochwertige Werke aufgrund der Bruchsicherheit. In Kombination mit einer antistatischen Beschichtung kann es auch sicher für abreibbare Medien verwendet werden. Es eignet sich hervorragend für Objekte, die weniger empfindlich auf Feuchtigkeitsschwankungen reagieren.
Beide Materialien sind mit XNUMX% UV-Schutz erhältlich. Die vielseitigste Lösung ist jedoch ein Acrylglas mit UV-Schutz, antistatischen Eigenschaften und einer entspiegelten Beschichtung. Dies bietet maximale Sicherheit und ist bei richtiger Beleuchtung nahezu unsichtbar.
Über die Autorin
Hugh Phibbs
Fachberater für Konservierung
Hugh Phibbs begann 1976 in der kommerziellen Einrahmung in Washington, D.C. Drei Jahre später trat er in den Stab der National Gallery of Art ein. Dort arbeitete er im Papierlabor und in der Abteilung für Ausstellungen und Leihgaben. Er hat zahlreiche Fachartikel für das Picture Framing Magazine und das Journal of the American Institute of Conservation verfasst und gab Workshops für Experten des Louvre, der Eremitage, des Met und des Getty Museums. 2014 ging er in den Ruhestand, lehrt und schreibt jedoch weiterhin über Innovationen in der Konservierung.
