Schutz zeitgenössischer Wandrollen

Von Albert Lewis, Präparator am Cantor Arts Center der Stanford University

Tru Vue 6mm Optium Museum Acrylic® Übergroße Blätter ermöglichten die ideale Kombination aus Betrachtungserlebnis und Schutz für die großformatigen, auf Rollen montierten Tuschemalereien in „Ink Worlds“. Diese Sonderausstellung von 1960 bis heute im zeigt zeitgenössische Tuschemalerei, Cantor Arts Center der Stanford University.

Installationsansicht der Ausstellung „Ink Worlds“. Foto mit freundlicher Genehmigung des Cantor Arts Center der Stanford University.

In der frühen Planungsphase kristallisierte sich die größte Herausforderung für das Ausstellungsteam sofort heraus: Die kuratorische Vision sah vor, die haptische Beschaffenheit der Tusche und der Papieroberfläche erlebbar zu machen, ohne dass traditionelle Rahmen oder Wandvitrinen die Wahrnehmung des Kunstwerks stören. Viele der Tuschemalereien waren auf Rollbilder aus Seide und Papier montiert, die in privaten Sammlungen üblicherweise ohne Schutz an den Wänden hängen. Im Falle einer öffentlichen Institution, die diese Werke als Leihgaben ausstellt, ist die Sicherheit der Kunstwerke jedoch ebenso wichtig wie ihre Präsentation.

Die erste Idee war der Einsatz von Absperrpfosten oder Podesten, um die Besucher in einem Abstand von 36 cm zu den Rollbildern zu halten. Dies hätte zwar ermöglicht, die Wandrollen ohne eine Verglasung aus Acryl oder eine Vitrine zu zeigen, doch die Besucher hätten die Kunstwerke nicht aus der Nähe betrachten können. Dies war ein erheblicher Nachteil, da einige Stücke eine beeindruckende Fülle an feinsten Details aufweisen. Ein weiterer, unerwarteter Nachteil zwang uns schließlich zum Umdenken: Nach der Erstellung eines maßstabsgetreuen 91D-Modells der Galerie stellten wir fest, dass durch die Podeste und Absperrungen kaum noch Bodenfläche zum Begehen übrig blieb. An einigen Stellen war es so eng, dass kleine Führungsgruppen oder Menschen im Rollstuhl erhebliche Schwierigkeiten gehabt hätten.

Die zweite Überlegung war die Anfertigung großer Metallrahmen zur Aufnahme von Acrylglasplatten, wobei die Rahmen in der Wandfarbe gestrichen werden sollten. Dies sollte den klassischen westlichen Einrahmungsstil zugunsten einer wandmontierten Vitrinenoptik umgehen. Dies hätte jedoch eine enorme Fläche an Acrylglas in der Galerie bedeutet, was zu störenden Reflexionen auf den Kunststoffoberflächen geführt und die visuellen Feinheiten der mattschwarzen Tusche im Zusammenspiel mit der weichen Textur des Papiers stark beeinträchtigt hätte. Zudem war es der ausdrückliche Wunsch der Kuratoren, keinerlei Rahmen zu sehen.

Nach eingehender Recherche entschieden wir uns gegen die teuren, lackierten Metallrahmen und investierten einen Teil des Budgets stattdessen in 6 mm dicke, übergroße Acrylglasplatten von Optium Museum. Alle waren sich einig, dass dieses Produkt dank seiner reflexionsarmen Eigenschaften und seiner nahezu unsichtbaren Optik die perfekte Kombination aus Präsentation und Schutz bietet. Für die Wandmontage der Platten entwickelten wir ein individuelles, kostengünstiges Halterungssystem anstelle von Metallabstandshaltern, die einen eher kommerziellen oder industriellen Eindruck erwecken können.

Die Optium® Platten werden mit Maschinenschrauben durch das Acrylglas am oberen Aluminiumprofil befestigt. Foto mit freundlicher Genehmigung des Cantor Arts Center der Stanford University.

Wir fertigten Halterungen aus 3-Zoll-Aluminium-U-Profilen an, verkleideten die Enden und die Vorderseite mit Holz und strichen den gesamten Rahmen in Wandfarbe. Wir entschieden uns dafür, die gesamte 120 Zoll (304.8 cm) lange Optium-Platte an der oberen Halterung aufzuhängen, indem wir Maschinenschrauben durch das Acrylglas in das Aluminium schraubten. Durch diese Aufhängung konnten wir eine gewisse Spannung aufrechterhalten, anstatt die Platten in den unteren Halterungen aufliegen zu lassen und so ein Durchbiegen oder Verziehen zu riskieren. Abschließend wurde ein einfaches Holzbrett mit Leisten angebracht, um die Befestigungen oben abzudecken.

Eine einfache Holzleiste verdeckt die Befestigungspunkte an der Oberseite. Foto mit freundlicher Genehmigung des Cantor Arts Center der Stanford University.

Die Präsentation war atemberaubend. Da sich das Acrylglas des Optium Museums vom Boden bis zu einer Höhe von 120 Metern erstreckt, ist ein ungestörter Blick auf die Kunstwerke in der Galerie möglich. Ein weiteres, subtiles Detail im Design, das die Illusion noch verstärkt, ist folgendes: Architectural Plastics schleifen und polieren. Dies ermöglicht eine uneingeschränkte Sicht von der Seite, ohne dass unerwünschte Schatten geworfen werden.

Installationsansicht der Ausstellung „Ink Worlds“. Foto mit freundlicher Genehmigung des Cantor Arts Center der Stanford University.

Dank der antistatischen Eigenschaften von Optium® gab es keine Probleme mit Staubansammlungen auf der Verglasung – eine anfängliche Sorge bei der offenen Vitrinenkonstruktion. Ein überraschender Zusatznutzen war zudem, dass Anpassungen an den Kunstwerken vorgenommen werden konnten, ohne die Acrylglasplatten demontieren zu müssen. Bei empfindlichen Rollbildern setzen wir oft Haken in die Wand, um das untere Ende zu stützen und die Belastung der oberen Aufhängeschnur zu verringern. Die exakte Platzierung dieser Haken muss absolut präzise sein. Gelegentlich dehnt sich das Objekt mit der Zeit aus oder zieht sich zusammen, was eine leichte Justierung der Spannung erfordert. Da das Vitrinendesign an den Seiten offen ist und Optium® keine statische Anziehungskraft besitzt, können wir diese Anpassungen jederzeit vornehmen, ohne eine herkömmliche Vitrine öffnen und anschließend mühsam reinigen zu müssen.

Offenes Vitrinendesign. Foto mit freundlicher Genehmigung des Cantor Arts Center der Stanford University.

Die Ausstellung ist sehr gut besucht. Wir sind begeistert, diese komplexen Kunstwerke auf so persönliche und unverfälschte Weise präsentieren zu können, während wir gleichzeitig sowohl der Intention der Künstler als auch der Verantwortung des Museums für den Objektschutz gerecht werden. Obwohl die Ausstellung nur drei Monate läuft, planen wir, die Vorteile der Abriebfestigkeit von Optium® zu nutzen und diese Vitrinen noch viele Jahre lang für unsere permanenten Rotationen von Rollbildern einzusetzen.

Über den Autor

Albert Lewis

Präparator am Cantor Arts Center der Stanford University

Albert Lewis, ist spezialisiert auf Einrahmung, Vergoldung, Montagebau für Buchkunst und die Entwicklung unkonventioneller Präsentationstechniken für alle Arten von Kunstwerken.

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