Von Hugh Phibbs, Berater für präventive Konservierung, und April Hann Lanford, Vice President of Client Services bei The Conservation Center
Glücklicherweise sind Brände in Institutionen, die unsere Kulturschätze bewahren, eine Seltenheit. Museen, Archive und Bibliotheken sind so konzipiert und werden so betrieben, dass die Brandlast minimal bleibt. Zudem werden sie mit größter Sorgfalt überwacht. Bei Privatsammlungen werden leider oft nicht dieselben Vorsichtsmaßnahmen getroffen, und es gibt auch in Institutionen dramatische Ausnahmen. Denkwürdige Beispiele sind der Brand von Schloss Windsor im Jahr 1992 und das verheerende Feuer im Museum of Modern Art in Rio de Janeiro im Jahr 1978.
Öffentliche Sammlungen verfügen meist über Brandschutzanlagen sowie Personal, das eine ständige Überwachung gewährleistet. Der Louvre in Paris hat sogar eine eigene Werkfeuerwehr. Oft konzentrieren sich die Löschsysteme auf die Depotbereiche und basieren auf Gasen, die Sauerstoff verbrauchen oder verdrängen, auf Wassernebel oder Sprinkleranlagen. Die Lagerung erfolgt meist kompakt in Kartons, Schubladen, Regalen oder Depotschränken. Dies führt zu einer höheren Brandlastdichte, was den Einsatz von Löschmechanismen erschweren kann.
Die Flamme
Wenn wir an Feuer denken, denken wir meist an die Flamme selbst und ihre unmittelbaren Folgen. In Ausstellungsbereichen sind die Sammlungen weitläufig verteilt und oft vertikal ausgerichtet. Diese Vertikalität ist entscheidend, da Feuer nach oben brennt (Kamineffekt).
Über die Flamme hinaus verbreiten sich Rauch und Hitze – Bedrohungen mit einer weitaus größeren Reichweite. Wenn in einem geschlossenen Raum offenes Feuer ausbricht, steigt die Temperatur im oberen Bereich fast augenblicklich auf katastrophale Werte an. Aus diesem Grund wird dazu geraten, brennende Gebäude kriechend zu verlassen.
Hitze
Die Hitze eines Feuers entzieht den Objekten in ihrem Weg die Feuchtigkeit, was deren Entflammbarkeit erhöht. Mit zunehmender Hitze treten physikalische Veränderungen an den Materialien auf. Kunststoffplatten (wie Acrylglas) wölben sich zur Hitzequelle hin und bilden schließlich Risse oder Blasen. Kunststoff wirkt zudem thermisch isolierend und leitet die Hitze weniger stark weiter als Glas. Bei Glas treten die Auswirkungen der Hitze weniger unmittelbar ein. Glas ist thermisch stabiler, fungiert jedoch als Wärmespeicher, sodass es die Hitze an das dahinter liegende Material weitergibt.
Bei beiden Verglasungsarten ist der Schutz vor Hitze eine kritische Sicherheitsvorkehrung für das gerahmte Objekt. Die Schutzeigenschaften der Verglasung können den Totalverlust verhindern, wie er 1985 in der Huntington Library in Los Angeles eintrat, als ein Hitzeschwall in einem Aufzugsschacht die Türen aufsprengte. Dieses Feuer zerstörte ein Porträt von Sir Joshua Reynolds vollständig, während sein vergoldeter Rahmen lediglich von Oberflächenschmutz befreit wurde und die Vergoldung intakt blieb.
Die Fotografien, die sich einst in diesen Rahmen befanden, wurden nach einem Großbrand im Jahr 29 aus dem 2004. Stockwerk der LaSalle-Bank-Zentrale geborgen. Obwohl die Auswirkungen der intensiven Hitze deutlich sichtbar sind – das Acrylglas schmolz und wölbte sich vom Kunstwerk weg nach außen –, konnte das Disaster-Response-Team des Conservation Centers die Fotografien erfolgreich retten, konservieren und neu rahmen, um sie für die Zukunft zu schützen.
Der Großteil der Sammlung war rettbar, was vor allem dem Kurator zu verdanken war, der die gesamte Sammlung nach Museumstandards hatte rahmen lassen. Während des Brandes dienten die Einrahmungsmaterialien als Schutzbarriere und retteten viele dieser einzigartigen und bedeutenden Stücke.
Rauch
Rauch kann sich weiter ausbreiten als Hitze und stellt oft die allgegenwärtigste Bedrohung dar. Aus diesem Grund werden in öffentlichen Sammlungen technische Anlagen oft räumlich von den Beständen getrennt. Rauch besteht aus unvollständig verbrannten Kohlenwasserstoffpartikeln. Diese Partikel sind aromatisch (sie enthalten Ringe aus Kohlenstoffatomen). Ihre atomare Struktur macht sie chemisch hochaktiv und trägt zur durchdringenden und dauerhaften Gefahr des Rauchs bei.
Rauch dringt in jedes offenporige Material ein und kann dort erstaunlich lange verweilen. Bücher, die vor hunderten von Jahren Rauch ausgesetzt waren, können diesen Geruch noch heute tragen. Um Rauch von konservierten Materialien fernzuhalten, ist eine sorgfältige Einfassung (Enclosure) erforderlich. Eine Verglasung ist die logische erste Komponente dieser Schutzschicht. Sowohl Acrylglas als auch Glas sind hervorragend geeignet, um Rauchpartikel abzuwehren.
Ebenso essenziell für den Rauchschutz ist eine Rückwand hinter dem gerahmten Objekt. Die Schaffung einer Versiegelung zwischen der Verglasung und der Rückwand hilft nicht nur bei der Rauchminderung, sondern auch beim Schutz vor Schädlingen und bei der Klimaregulierung. Mitglieder der Washington Conservation Guild führten wiederholt Tests an Rückwandmaterialien durch, indem sie diese in Brandtestbereichen entzündeten. Sie stellten fest, dass Kanäle oder Hohlkammern in Doppelstegplatten bei einem Brand wie Schornsteine wirken. Dies beschleunigt die Verbrennung der Platte. In Depots können diese Platten nur empfohlen werden, wenn eine Löschanlage vorhanden ist. In Ausstellungen hingegen wird die Rückwand vor der ersten Hitzeeinwirkung abgeschirmt, und eine Kunststoffplatte würde sich eher zur Hitzequelle hin verformen.
Eine Rückwand aus Kunststoff hält Rauch effektiv fern, was bei einer Rückwand aus Papier/Pappe nicht immer der Fall ist. Platten ohne Hohlkammern sind die sicherere Wahl. Bevorzugt werden Polypropylen-Wabenplatten oder Verbundplatten aus zwei Aluminiumschichten mit einem Kunststoffkern (z. B. Dibond).
Brandschutzanlagen
Brandschutzanlagen setzen Wasser oder Gas ein, um Feuer zu löschen. Gaslöschanlagen entziehen den Flammen den Sauerstoff und funktionieren am besten in kleineren Räumen. Sie sind ideal für Depots, während größere Ausstellungsflächen eher für wasserbasierte Systeme geeignet sind. In begrenzten Räumen kann Wasser als feiner Nebel abgegeben werden, was physikalisch weniger belastend ist als ein direkter Wasserstrahl.
Systeme, die Wasser versprühen, benötigen Druckleitungen oberhalb des Schutzbereichs. Man unterscheidet zwischen Nasssystemen (ständig wassergefüllt), Trockensystemen (Wasser wird erst im Brandfall eingeleitet) oder Preaction-Systemen. Da Nasssysteme im Brandfall zuverlässiger sind, werden sie oft durch Bauvorschriften vorgeschrieben. Sie bergen jedoch das Risiko eines Wasserschadens durch unbeabsichtigte Aktivierung. Die Sprinklerköpfe sind empfindlich. Wenn sie durch eine Leiter oder andere Bauelemente beschädigt werden, versprühen sie unter Druck stehendes Wasser, bis das System am Hydranten abgeschaltet wird. Solche Unfälle kommen in Museen weitaus häufiger vor als Brände. Eine Verglasung vor dem gerahmten Objekt ist ein wesentliches Element, um das Werk vor Schäden durch Spritzwasser zu schützen.
Überlegungen für Privatsammlungen
Bei der Arbeit mit Privatsammlungen sollte die strategische Platzierung von Kunstwerken in Wohnräumen sorgfältig geplant werden. Die Präsentation von Werken in der Küche setzt diese Hitze, Feuchtigkeit und Fett aus. Kunstwerke sollten zudem nicht in Badezimmern installiert werden, da dort enorme Feuchtigkeitsschwankungen und Kondensation auftreten. Auch wenn es Tradition hat, Kunstwerke über einem Kamin zu platzieren, ist dies aufgrund der Belastung durch Hitze und Ruß nicht ideal. Eine konservatorische Rahmung mit Verglasung kann gegen diese Einflüsse helfen, doch die richtige Platzierung im Raum geht beim Schutz noch einen Schritt weiter.
Nicht nur Papier und Gemälde verdienen den zusätzlichen Schutz, den eine Glasur bietet. Auch Kostüme, Webereien, ethnografische Objekte und andere Kunstwerke und Artefakte profitieren vom Schutz durch Acrylglas. Optium Museum Acrylic] wenn sie in einer Vitrine oder einem Schattenkasten ausgestellt werden. Dies schützt die Kunstwerke nicht nur vor Ruß, Schmutz und anderen Partikeln, sondern kann auch die Wartungskosten senken.
Glas und Acrylglas können in Umgebungen mit hoher Hitze als Wärmespeicher wirken. Wenn Kunstwerke jedoch fachgerecht montiert sind (einschließlich Distanzhaltern), ist die Verglasung in der Regel weit genug vom Objekt entfernt, sodass die wärmeleitenden Eigenschaften das Kunstwerk nicht beeinträchtigen. Glas hat eine geringe Wärmeleitfähigkeit von ca. 1.05 W/(m K), während Acrylglas mit ca. 0.2 W/(m K) einen noch niedrigeren Wert aufweist. Das bedeutet: Obwohl die Verglasungsmaterialien Wärme leiten können, ist dies kein Grund, auf den Schutz durch eine Verglasung als Barriere gegen Katastrophen zu verzichten.
Der Schutz von Kunstwerken und Kulturgütern durch eine Verglasung auf der Vorderseite und eine Rückwand auf der Rückseite optimiert die Konservierung und den Schutz vor Hitze, Rauch und Flammen. Wenn Verglasung und Rückwand an den Kanten miteinander versiegelt werden, entsteht zudem ein Schutz vor Rauch, Schädlingen und atmosphärischer Verschmutzung. Letztlich ist die Verglasung die erste Verteidigungslinie gegen Feuer. In künftigen Ausgaben von QuickVue werden wir zudem zeigen, dass die Verglasung Schutz vor Vandalismus bietet und als Standardbestandteil bei der öffentlichen Präsentation wertvoller Sammlungen betrachtet werden sollte.
Über die Autorin
April Hann Lanford
Vizepräsidentin Client Services, The Conservation Center
April Hann Lanford ist Vizepräsidentin für Client Services am The Conservation Center und die leitende Fachberaterin vor Ort. Sie verfügt über umfassende Expertise in der Schadensbewertung bedeutender Sammlungen im ganzen Land. Während viele Kunden des Centers Wert auf Diskretion legen, umfassen die von ihr öffentlich betreuten Projekte namhafte Sammlungen wie die der LaSalle Bank, des Museum of Contemporary Art in Chicago, der Tulane University, des New Orleans Museum of Art sowie des University of Iowa Museum of Art. Zudem leitete sie die Notfall-Einsatzteams des Centers nach dem Hurrikan Katrina, den Waldbränden in Kalifornien, dem Hochwasser in Iowa, dem Hurrikan Sandy sowie den Überschwemmungen in Boulder, Colorado. Weitere Informationen über das Center finden Sie unter www.theconservationcenter.com.
Hugh Phibbs
Fachberater für Konservierung
Hugh Phibbs begann 1976 in der kommerziellen Einrahmung in Washington, D.C. Drei Jahre später trat er in den Stab der National Gallery of Art ein. Dort arbeitete er im Papierlabor und in der Abteilung für Ausstellungen und Leihgaben. Er hat zahlreiche Fachartikel für das Picture Framing Magazine und das Journal of the American Institute of Conservation verfasst und gab Workshops für Experten des Louvre, der Eremitage, des Met und des Getty Museums. 2014 ging er in den Ruhestand, lehrt und schreibt jedoch weiterhin über Innovationen in der Konservierung.
